Forderung der FIATA zur Wiederherstellung eines ausgewogenen und fairen maritimen Marktumfelds

18. August 2022

Die maritime Lieferkette ist nach wie vor von massiven Störungen geprägt. Neben der Überlastung in den chinesischen und US-amerikanischen Häfen, sind nunmehr auch die nordeuropäischen Häfen betroffen. Infolge des konzentrierten Eintreffens verspäteter Containerschiffe kommt es in allen bedeutenden nordeuropäischen Seehäfen zu see- und landseitigen Überlastungen.

Derzeit stehen die Container mehrheitlich doppelt so lang wie geplant in den Terminals herum, was in Kombination mit gleichzeitigem Eintreffen vieler Containerschiffe zu einer massiven Überlastung der Terminals führt und die Produktivität nachhaltig negativ beeinflusst. Um der Verweildauer von Importcontainern Herr zu werden, haben einzelne Terminalbetreiber bereits Maßnahmen ergriffen.

Spediteure weiterhin nicht zu ersetzen

Neben der Anlieferung neuer Container, die nur gestattet wird, wenn die gleiche Anzahl auch wieder abgenommen wird, über eine kostenpflichtige Auslagerung von Container mit überlanger Verweildauer bis zu Anlieferrestriktionen von Exportcontainern.

Die Bandbreite dieser Maßnahmen verlangt von den Mitarbeitenden in den Speditionen ein Maximum an Einsatz, um die Containertransporte trotz all der Herausforderungen noch disponieren zu können. Eine vorausschauende Transportplanung gleicht einem Gewinnspiel, da man sich z.T. mehrmals täglich auf neue Herausforderungen einstellen muss.

Hier zeigt sich einmal mehr die Leistungsfähigkeit der Spediteure sowie deren Wert in der maritimen Lieferkette, die dafür sorgen, dass auch kleinere und mittlere Verlader Zugang zur globalen Supply Chain haben.

Zugang zur globalen Supply Chain reedereiseitig eingeschränkt

Dieser Zugang zur globalen Lieferkette ist aber mehr und mehr bedroht. Die Aktivitäten der weltweit größten Reedereien, die als Teil von drei globalen Schifffahrtsallianzen rund 80 Prozent des globalen Schifffahrtsmarktes und rund 95 Prozent der wichtigen Ost-West-Handelswege dominieren, missbrauchen ihre marktbeherrschende Stellung und die kartellrechtlichen Ausnahmeregelungen, die dem aktuellen wirtschaftlichen Kontext nicht mehr gerecht werden.

Mittlerweile bieten die Reedereien neben ihrem ursprünglichen Ziel (dem Betreiben von Seeschiffen) auch schifffahrtsfremde Dienstleistungen wie z.B. Terminaldienstleistung, Landtransporte und Lagerungen von Containern an. Dadurch entsteht ein unlauterer Wettbewerb mit den Akteuren, die in diesen Bereichen tätig sind und nicht in den Genuss von kartellrechtlichen Ausnahmeregelungen kommen und so früher oder später aus dem Markt gedrängt werden.

Deshalb unterstützt der DSLV Bundesverband Spedition und Logistik die Forderungen des Weltspediteurverbands FIATA zur Wiederherstellung eines ausgewogenen und fairen maritimen Marktumfelds. Die kartellrechtlichen Ausnahmeregelungen müssen jetzt überprüft werden, um sicherzustellen, dass sie weiterhin ihrem ursprünglichen Ziel gerecht werden.

Foto von Mika Baumeister / Unsplash.com

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