Überangebot in der Luftfracht für 2023 bereits absehbar

20. Oktober 2022

Die dritte der drei großen weltweit tägigen Reedereien MSC gründet ihre eigene Luftfrachtgesellschaft. Damit folgt das Unternehmen seinen direkten Wettbewerbern Maersk und CMA CGM. Ob dieser Schritt richtig ist, muss sich zeigen – mit den neuen Anbietern, gesteigerten Kapazitäten bestehender Carrier und einer schwächelnden Weltwirtschaft droht jetzt ein Überangebot in der Luftfracht.

Mit Beginn der Corona-Pandemie vor über zwei Jahren erlebte die Luftfahrt-Branchen ein nie da gewesen Boom. Mehrere Faktoren beflügelten diese Aufwärtsbewegung auch in 2021 und 2022: wachsende Probleme in der Seeschifffahrt durch Lockdowns in Fernost und Streiks in Europa sowie Kapazitätsengpässe im China-Rail-Verkehr ließen die Nachfrage weiter steigen.

Die Carrier reagierten darauf mit einer massiven Ausweitung ihrer Kapazitäten und bestellten viele neue Flugzeuge. Offenbar waren es jetzt zu viele: Nach Informationen der DVZ – Deutsche Verkehrs-Zeitung liegt Auftragsbestand für Frachter und Umrüst-Frachter aktuell bei rund einem Drittel der aktiven Flotte und könnte nach Einschätzungen von Analysten auf bis zu 50 Prozent steigen (bei Einrechnung vorgesehener Frachter).

MSC Air Cargo als Nachzügler

Die neue Fracht-Airline soll unter dem Namen MSC Air Cargo schon Anfang kommenden Jahres ihren Betrieb aufnehmen. Damit ist MSC unter den Top-3-Reedereien der Spätzünder: Bereits im Februar 2021 startete die drittgrößte Reederei CMA CGM ihre Gesellschaft CMA CGM Aircargo. Im April 2022 folgte dann mit Maersk Air Cargo die Luftfrachtgesellschaft der zweitgrößten Reederei.

MSC gründet in unsicheren Zeiten

Unlängst veröffentliche Prognosen des IWF wie der WTO sehen die Weltwirtschaft im kommenden Jahr 2023 vor große Herausforderungen gestellt. Daher wird die Nachfrage nach teuren Luftfrachttransporten eher abnehmen. Das macht den jetzigen Markteintritt von MSC, deren Flotte nach übereinstimmenden Presseinformationen zunächst aus vier geleasten B777-200 bestehen soll, zu einem ziemlich risikoreichen Schritt.

Eigentlich sollten die Carrier die Expansion ihrer Frachterflotten einstellen oder sogar nach Auslieferung neuer Frachter alte Flugzeuge in den Ruhestand schicken, um den Kapazitätszuwachs zu begrenzen. Stattdessen wird die Gesamtkapazität des globalen Luftfrachtmarkts immer weiter gesteigert. Unserer Einschätzung nach droht der Branche daher im Laufe des kommenden Jahres eine ziemlich harte Landung.

Foto von Clay Banks / Unsplash.com

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